Wissenschaftliche Grundprinzipien im Studium: Weiterentwicklung des Seminars Evidenzbasierte Medizin!

Für das Jahr 2020 wird die Verdopplung des medizinischen Wissens Schätzungen zufolge bereits nach 73 Tagen erreicht.
Gleichzeitig sieht der Masterplan 2020 der Bundesregierung die Stärkung der Wissenschaftskompetenzen im Medizinstudium vor.
Der richtige Umgang mit wissenschaftlichen Erkenntnissen als Grundlage für jede ärztliche Tätigkeit und damit einhergehend die Schaffung der Voraussetzungen für eine spätere medizinische Forschungstätigkeit sind damit essentielle Bausteine.
Demnach sollen zukünftige ÄrztInnen zu patientenbezogener Anwendung wissenschaftlicher Kompetenzen im Berufsalltag ausgebildet werden.
Im Sinne einer Win-Win-Situation soll in einem einjährigen Projekt mit Beginn im Sommer 2019 das curriculare Seminar Evidenzbasierte Medizin am Fachbereich 16 der Johann Wolfgang von Goethe - Universität unter Berücksichtigung des Nationalen kompetenzbasierten Lernzielkatalogs Medizin (NKLM) und des in Entwicklung befindlichen neuen Gegenstandskataloges des Instituts für medizinische Prüfungsfragen (IMPP) erweitert werden.
Unsere Studierenden lernen im didaktisch bereits erprobten Peer-Teaching-Format sowohl kritisches, reflektierendes Denken über und die korrekte Interpretation von Studien, auf deren Grundlage sie im ärztlichen Alltag Patienten behandeln werden, als auch die Konfrontation mit den Patienten bezüglich anstehender Entscheidungen.
Während des Seminars sollen die Studierenden selbst aktiv methodische Kompetenzen in Anwendungssituationen entwickeln und einen Forschungsprozess nachvollziehen lernen. Dabei werden Lösungen zu eigenen oder von den Lehrenden vorgefertigten Problemstellungen aus dem klinisch-wissenschaftlichen Alltag zum Einsatz diagnostischer und therapeutischer Maßnahmen erarbeitet.
Als didaktisches Konzept im Rahmen des Projektes streben wir die Umsetzung als so genanntes Inverted Classroom Model an, wobei die Inputphasen mittels digitaler Inhalte wie Videos vor die Präsenzzeiten verlegt werden. Dazu sollen die Studierenden selbst entscheiden können, welche Inhalte für sie zur Vorbereitung relevant sind. Die eigene Einschätzung erfolgt vorher formativ über einen kurzen MC-Wissenstest. Technische Grundlage dafür ist unter anderem das im Seminar bereits implementierte Blended Learning über die Lernplattform OLAT.
Über die Projektlaufzeit erfolgt die schrittweise Umsetzung und Evaluation neuer Inhalte durch Fragebögen zu Zufriedenheit, Selbstwirksamkeit und Motivation zur forschenden Tätigkeit sowie einem Multiple Choice Test mit Fragen zu den wissenschaftlichen Grundprinzipien in der Medizin - letztere mit besonderem Fokus auf die Fragen der schriftlichen Staatsexamina. Nach einer Gesamtauswertung werden dann besonders förderliche Seminareinheiten gestärkt und die implementierten Inhalte über die curriculare Lehrverpflichtung verstetigt.
Die Studierenden werden das nötige Know-How mit den nötigen Tools mitgegeben, um sich selbst eine erste grundlegende Methodenkompetenz für eine mögliche eigene forschende Tätigkeit zu erarbeiten und diese Kompetenzen selbstwirksam zu erkennen. Dies soll dazu motivieren, sich über das Verständnis der Nutzung wissenschaftlicher Erkenntnisse in der praktisch-ärztlichen Tätigkeit bereits früh für die forschende ärztliche Tätigkeit und für die Promotion zu begeistern.
Zusammenfassend soll das curricular verankerte Seminar Evidenzbasierte Medizin auf Grundlage der gemeinsamen Fakultätsempfehlungen des Medizinischen Fakultätentags und des neuen Gegenstandkataloges des IMPP im Vorbildcharakter weiterentwickelt werden, um den aktuellen Anforderungen an die Vermittlung von wissenschaftlichen Grundprinzipien im Medizinstudium gerecht zu werden.